Genauso wie in Großbritannien, wo im Nationalen Gesundheitssystem (NHS) auch einen Pflegenotstand herrscht, gibt es leider im Ruhrgebiet eine unverhältnismäßige Menge von Artikeln, die aus der Sicht der Verwaltung einnehmen und negativ über die Streiks in Düsseldorf und Essen berichten.

Am 03. August führte die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) ein Interview mit Professor Jochen Werner (ärztlicher Direktor des Uniklinikums), der indirekt den Streik für aufkommende Probleme verantwortlich macht. Am 14. August folgte ein Artikel mit dem Titel: „Streik am Uniklinikum: Viele Patienten beschweren sich“. Am 19.08 dann ein Artikel über Eltern, die ein „Streik-Ende“ fordern, damit die Kitas des Essener Klinikums ihre Tore wieder öffnen.

Dem ganzen gingen Artikel bereits im Juni voraus. Am 26.06 erschien ein Artikel mit dem Titel „Streik gefährdet Patientenleben“. Nicht zu vergessen ist eine viertelseitige Anzeige des Uniklinikums, die während der ersten Warnstreiktage auf der Titelseite des Lokalteils in Essen erschien. Natürlich gab es auch vereinzelte Artikel, die alle Seiten des Personalmangels beleuchteten. Meiner Ansicht nach, waren sie jedoch in der deutlichen Minderheit und hinterlassen einen bitteren Nachgeschmack.

Ich habe eine Frage…

Was ist Patientengefährdung? Für eine ausreichende Personalausstattung zu streiken, ist das Patientengefährdung? Nein. Ein unzureichender Personalschlüssel in allen Bereichen und die hohe Arbeitsbelastung gefährdet das Patientenwohl tagtäglich, nicht der Streik. Unnötige Operationen, die aufgrund des Fallpauschalensystems jedoch viel Geld bringen, durchzuführen, das ist Patientengefährdung. Menschen drei Stunden nach einer Magenoperation nach Hause zu schicken und „blutig zu entlassen“, weil die Betten belegt oder die stationäre Behandlung nicht wirtschaftlich genug ist, das ist Patientengefährdung.

Ich könnte viele schockierende Beispiele bringen, die mir von Pfleger*innen, Ärzt*innen und anderem Krankenhauspersonal aus ganz Deutschland herangetragen wurden. Die Mitarbeiter des Uni-Klinikums Essen wollen in Wirklichkeit nicht streiken gehen.  Es macht keinen Spaß und sie bekommen Ärger von ihrer nicht streikenden Kollegen*innen. Es ist harte Arbeit Kolleginnen und Kollegen zum Streik zu bringen und die Stimmung gut zu halten. Viele Leute machen viel ehrenamtliche Arbeit für die Streikaktion.

Sie wollen keine Patientengefährdung. Sie sind in diesem zurzeit schlecht bezahlten hoch-stressigen Burn-Out bedrohenden Beruf gekommen, weil sie sich um das Wohlbefinden und die Gesundheit von Menschen kümmern wollten. Sie wollen das Beste für die Patient*innen. Die Situation ist hoch gefährlich. Patienten sterben deutschlandweit an vermeidbaren Ursachen und leiden direkt unter dem Personalmangel im Krankenhaus. Nicht für eine Verbesserung dieser Situation zu streiken bedeutet Patientengefährdung!

Darum unterstützen wir die Kolleg*innen bei ihrem Streik so gut es geht. Bereits 2015 haben wir LINKE einen Antrag im Bundestag eingebracht, der die Schaffung einer Personaluntergrenze einführt, die ihren Namen verdient. Gleichzeitig müssen 100.000 neue Pflegestellen geschaffen werden. Zusätzlich brauchen wir mehr Stellen beim übrigen Personal sowie die Rückführung aller outgesourcten Krankenhausbereiche und die Vergesellschaftung aller privaten Krankenhäuser, denn Gesundheit darf keine Ware sein, die der Marktlogik überlassen wird. Denn dann bleibt der Mensch, das Personal, die Gesundheit und das Wohl vieler auf der Strecke.

Die Inhalte dieses Textes geben nicht unbedingt die Meinung des Kreisverbands der LINKEN. Essen wieder.

Autorinnen und Autoren

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