Essen, 11.02.2026 – In der heutigen Ratssitzung vom 11.02.2026 fiel eine Entscheidung, die den Endpunkt eines langen Prozesses in der Essener Stadtpolitik darstellt. Die Fraktion der Grünen hatte beantragt, die Opt-Out-Regelung des Landes NRW für die Bezahlkarte für Geflüchtete zu ziehen und zu verhindern, dass die Stadt Essen die entwürdigende Repressionsmaßnahme einführt, viel zu spät: Denn in der letzten Legislatur haben sie den Antrag erst nach Bruch der Stadtkoalition mit der CDU gestellt.

In rassistisch gefärbten Redebeiträgen bekräftigten AfD und Kai Hemsteeg (FDP-EBB) ihre Unterstützung für die Einführung der Bezahlkarte und beantragten ihrerseits teilweise noch weitreichendere Maßnahmen, beispielsweise die Karte auch für Geflüchtete aus der Ukraine einzuführen.

Es geht um Würde

Der Co-Fraktionsvorsitzende für Die Linke im Rat der Stadt Essen, Eliseo Maugeri, nimmt deutlich Stellung zu der politischen Haltung der anderen Redner und sagt:
Bei der Bezahlkarte wird oft so getan, als ginge es hier nur um Verwaltungstechnik. Doch wer mit den Betroffenen spricht, merkt schnell: Es geht um Würde. Nordrhein-Westfalen zwingt uns nicht dazu. Es gibt eine Opt-Out-Regelung, keinen Sachzwang, keine Frist – wir treffen also eine bewusste Entscheidung.“

Mit der Entscheidung von CDU und SPD wird das ohnehin knapp bemessene Existenzminimum von Geflüchteten künftig an technische Einschränkungen und Kontrollmechanismen gebunden. Bargeldverfügungen werden begrenzt, Überweisungen eingeschränkt, individuelle Bedarfe erschwert. Damit wird aus einer Sozialleistung, die das verfassungsrechtlich garantierte Existenzminimum sichern soll, ein Instrument der Kontrolle.

Die Bezahlkarte löst kein einziges integrationspolitisches Problem. Sie verhindert weder Flucht noch beschleunigt sie Verfahren. Sie spart kein Geld – im Gegenteil: Die Einführung neuer technischer Systeme, Vertragsbindungen mit externen Anbietern und zusätzlicher Verwaltungsaufwand verursachen erhebliche Kosten. Geld, das in Sprachkurse, Beratung, Bildungsangebote oder Personal investiert werden müsste, fließt stattdessen in ein bürokratisches Kontrollsystem.

 

Symbolpolitik, die Misstrauen schürt und gesellschaftliche Spaltung vertieft

 

CDU und SPD hätten die Möglichkeit gehabt, ein klares Signal für Menschenwürde und kommunale Selbstbestimmung zu setzen. Stattdessen schließen sie sich einer Symbolpolitik an, die Misstrauen schürt und gesellschaftliche Spaltung vertieft.

Für Die Linke ist klar:
Das Existenzminimum ist kein politisches Druckmittel. Es ist ein Grundrecht. Wer es einschränkt, überwacht oder stigmatisiert, stellt soziale Teilhabe infrage.

Wir werden diese Entscheidung politisch und öffentlich weiter kritisch begleiten und uns gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Initiativen für eine Stadt einsetzen, in der Unterstützung nicht an Bedingungen der Kontrolle geknüpft wird.

Menschenwürde ist nicht verhandelbar – auch nicht per Ratsbeschluss.

Die Linke Essen
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